Gundermann

GUNDERMANN erzählt von einem Baggerfahrer, der Lieder schreibt. Der ein Poet ist, ein Clown und ein Idealist. Der träumt und hofft und liebt und kämpft. Ein Spitzel, der bespitzelt wird. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß. Ein Zerrissener. GUNDERMANN ist Liebes- und Musikfilm, Drama über Schuld und Verstrickung, eine Geschichte vom Verdrängen und Sich-Stellen. GUNDERMANN ist ein Film über Heimat. Er blickt noch einmal neu auf ein verschwundenes Land. Es ist nicht zu spät dafür. Es ist an der Zeit.

Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor wirft Regisseur Andreas Dresen in GUNDERMANN einen Blick auf das Leben von Gerhard „Gundi“ Gundermann, einem der prägendsten Künstler der Nachwendezeit. Er starb 1998, mit gerade einmal 43 Jahren. Das Drehbuch stammt von Laila Stieler. Die Hauptrolle spielt Alexander Scheer, der alle Lieder im Film selbst eingesungen hat. Anna Unterberger steht als seine Frau Conny Gundermann vor der Kamera und in weiteren Rollen sind unter anderem Axel Prahl, Thorsten Merten, Bjarne Mädel, Milan Peschel, Kathrin Angerer und Peter Sodann zu sehen.

Gerhard „Gundi“ Gundermann wird 1955 in Weimar geboren. Die Eltern ziehen mit ihm nach Hoyerswerda, ins Zentrum des Lausitzer Kohlereviers zwischen Dresden und Cottbus. Nach dem Abitur beginnt er ein Studium an der Offiziershochschule Löbau. Er wird exmatrikuliert, arbeitet zunächst als Hilfsarbeiter und erwirbt sich dann die Qualifikation zum Maschinist für Tagebaugroßgeräte in der Lausitzer Braunkohle. Schon in dieser Zeit ist er Texter und Schlagzeuger der Band „Brigade Feuerstein“ – allerdings ohne Mitgesangserlaubnis. Nach der Auflösung der „Feuersteine“ folgen ab 1986 erste Soloauftritte und -projekte.

Die Arbeit als Baggerfahrer im Braunkohletagbau und sein Alltag liefern Gundi die Ideen für seine Songs und Stücke, die sich oft mit dem Leben der Arbeiter und der „einfachen Menschen“, mit seiner Familie, mit Umweltproblemen und seiner Heimatstadt Hoyerswerda („Hier bin ich geboren“, „Hoywoy“) beschäftigen. In der Wendezeit 1989/90 mischt er sich aktiv in die Ereignisse des politischen Umbruchs ein. 1992 gründet er seine Band mit dem bewusst provokanten Namen „Seilschaft“, mit der er bis 1998 seine Auftritte bestreitet und unter anderem als Support bei Konzerten von Bob Dylan und Joan Baez auftritt. Mit der Album-Tournee „Einsame Spitze“ (1992), deren Einspielung die Musiker der Band „Silly“ übernehmen, erreicht Gundermann schlagartig erstmals eine größere Öffentlichkeit.

Neben seiner musikalischen Karriere arbeitet Gundermann immer parallel als Baggerfahrer. Er tut das bewusst, um sich seine Unabhängigkeit von der Musikindustrie zu bewahren. 1997 wird auch er arbeitslos, ebenso wie Tausende vor ihm. Die Grube Brigitta ist schon lange geschlossen, Gundermann hat nicht mal mehr einen Beruf: Maschinist für Tagebaugroßgeräte steht auf der Liste von 160 Berufen, die im Westen gar nicht existieren. Er beginnt eine Umschulung zum Tischler, tritt mit seinem neuen Soloprogramm auf und spielt die CD „Engel über dem Revier“ ein. Dies sollte sein letztes Projekt sein. Die jahrelange Doppelbelastung durch Schichtarbeit und Konzerte fordern ihren Tribut. Am 21. Juni 1998, im Alter von nur 43 Jahren, stirbt er in Spreetal (bei Hoyerswerda) an einer Gehirnblutung.

Auszug aus einem Interview mit Andreas Dresen:

Wann ist Gerhard Gundermann bei Ihnen eingerastet? Das war bei Richard Engels Dokumentarfilm GUNDI GUNDER􀀀 MANN, den ich 1983 gesehen habe. Er wurde spätabends „versendet“, weil es im Vorfeld so viel Ärger mit ihm gegeben hatte. Da wurden kritische Sachen gesagt, die fürs DDR- Fernsehen sehr ungewöhnlich waren. Von da ab war Gunder-manns Name für mich gesetzt. Richard Engels Film ist bis heute ein wunderbares Zeitdokument und eine einzigartige Quelle, um Gundermann in seiner frühen Zeit zu sehen.

Wie haben Sie die Form von GUNDERMANN gefunden? Das ist natürlich vor allem die Leistung von Laila Stieler. Die beiden Zeitebenen standen schnell fest. Die Tatsache also, dass wir, ausgehend von Gundermanns Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit in den Neunzigern, knapp 20 Jahre zurückspringen. Wir wollten darüber erzählen, wie es dazu kam, dass er mit der Staatssicherheit kooperiert und sich moralisch in die Falle laviert hat in einer Zeit, in der auch seine große Liebesgeschichte mit Conny beginnt. GUNDERMANN ist ein Film über den Versuch eines Menschen, sich mit dem eigenen Leben, mit möglicher Schuld und der Vergangenheit in einem untergegangenen Land auseinanderzusetzen. Und dann ist es natürlich ein Film über einen großen Poeten.

Fotos: © 2018 Peter Hartwig/Pandora Film

Vorstellungen im Onikon:

Dienstag, den 20.11.2018 um 20:00 Uhr

Mittwoch, den 21.11.2018 um 20:00 Uhr

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